Sarah Gatto, Offizin für Architektur GmbH

Sarah Gatto, MSc. Arch. AAM USI | SIA | REG A | OTIA., 1977 geboren und aufgewachsen in Zürich, mit italienischen und spanischen Wurzeln, Architekturstudium an der ETH Zürich und an der USI Accademia di Architettura in Mendrisio, wo sie das Diplom bei den Professoren Peter Zumthor und Aurelio Galfetti erworben hat. 2006–2009 als Mitarbeiterin in verschiedenen Büros in Zürich tätig. Im Jahr 2009 gründet sie ihr eigenes Architekturbüro (gatto.weber.architekten) und realisiert diverse Bauten vornehmlich in Zürich und Umgebung. Seit 2010 schreibt sie als freie Autorin gelegentlich Essays zum Thema Architektur und Gesellschaft. Sie ist seit drei Jahren Mitglied der Geschäftsprüfungskommission Wogeno Zürich, seit 2016 Mitinhaberin der offizin|a.

www.offizin-a.ch

Was ist das Kerngeschäft/die Kernkompetenz Ihres Unternehmens?

Die Kernkompetenz der Offizin für Architektur ist das über das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.

Worin unterscheiden sich Ihre Dienstleistungen/Produkte von denen der Mitbewerber?

Wir sind „Mitbewerberinnen“ in einer immer noch stark männlich geprägten Berufswelt. In diesem Sinne charakterisiert eine andere Herangehensweise an Architektur unsere Arbeit. Zudem sind wir uns bewusst, dass Architektur und Städtebau politisch sind und daher unser Beruf eine gesellschaftliche Verantwortung und politische Haltung verlangt.

Mit welchem Projekt/bzw. welchen Projekten beschäftigen Sie sich gerade?

Mein Tätigkeitsfeld ist breit gefächert, unter anderem arbeiten wir in der Offizin für Architektur zurzeit an einem soziokulturellen Projekt, das mir sehr ans Herz gewachsen ist. Die Bauherrschaft ist eine private Stiftung. Ein zentrales Anliegen des Projekts besteht darin, aufzuzeigen, dass eine systematische und auf aktuelle Anforderungen ausgerichtete Planung soziokultureller Angebote im Interesse der sozialen, kulturellen und nachhaltigen Entwicklung eines Ortes ist.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin eine Frühaufsteherin. Dies hängt höchst wahrscheinlich mit den Arbeitszeiten auf der Baustelle zusammen und damit, dass ich „die Ruhe vor dem Sturm“ mag. Tagsüber kann es sehr intensiv werden, es wird nie langweilig. Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht, da durch das breite Arbeitsspektrum und die unterschiedlichen Projekte ständige Abwechslung da ist. Ich strukturiere aber meinen Tag immer so, dass ich Zeitfenster für die Projektarbeit und Zeitfenster für die bürointernen und strategischen Themen habe.

Was treibt Sie an? Was bringt Sie morgens aus dem Bett?

Die Faszination für Schönheit. Und die Absicht mit meiner Arbeit, Baukultur zu erreichen beziehungsweise Bauherrschaft und Gesellschaft dafür zu sensibilisieren.

Welche Eigenschaften halten Sie in Ihrem Beruf für besonders wichtig?

Bei jeder Komplexitätsbewältigung stets den Überblick bewahren. Den Intellekt nutzen und Kultur pflegen, das eigene Schaffen mit Selbstkritik und Bescheidenheit ansehen und gleichzeitig Kraft und Perseveranz haben, um die Architektur durchzusetzen.

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsinstrument?

Das wichtigste Arbeitsinstrument ist und bleibt das Gehirn. Von der Entwicklung einer Idee, von strategischen Prozessen, über die Planung, die Koordination unterschiedlicher Projektbeteiligten bis hin zum Projektmanagement und zur Realisierung spielt die Denkfähigkeit stets eine essentielle Rolle.

Worüber haben Sie sich kürzlich geärgert?

Allgemein ärgere ich mich über die zunehmend notwendige Verteidigung des eigenen Arbeitsfelds.

Von welchem architektonischen/innenarchitektonischen Werk sind Sie besonders angetan?

Die schlichte Eleganz in Mies van der Rohes Werk ist meines Erachtens unübertrefflich.

Welches Produkt/welche Idee/welche Leistung hat Sie kürzlich beeindruckt?

„The Roaring Forties: Seven Boards in Seven Days” von Tacita Dean

Auf welche Musiktitel würden Sie auf einer einsamen Insel nicht verzichten wollen?

Puccinis „La Bohème“ gesungen von Maria Callas. „Blue Moon“ von Billie Holiday. „Overpowered“ von Róisín Murphy.

Mit wem würden Sie gerne einmal ein Glas Wein trinken?

Chavela Vargas, wenn sie noch leben würde, wären wohl eher ein paar Tequilas…

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