Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne
Geoffrey Bawa (1919–2003) zählt zu den einflussreichsten Architekten Asiens im 20. Jahrhundert. Seine Laufbahn erstreckte sich über fünf Jahrzehnte und umfasst mehr als 200 Projekte – von Privathäusern, Schulen, Hotels und Fabriken bis zum Parlamentsgebäude Sri Lankas. In seinen Bauten verband Bawa die Prinzipien der Moderne mit der reichen Architekturgeschichte seines Heimatlandes und entwickelte so eine einzigartige Formensprache. Ab dem 26. September zeigt das Vitra Design Museum eine umfassende Retrospektive seines Schaffens. »Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne« vereint über 250 Exponate, darunter Zeichnungen, Modelle, Möbel, Filme, Kunstwerke und Fotografien von Bawa selbst. Ergänzt wird die Ausstellung durch neu entstandene Aufnahmen des Fotografen Iwan Baan, die den gelebten Charakter zentraler Bauten eindrucksvoll einfangen. Die von der renommierten Architektin Lina Ghotmeh gestaltete Szenografie greift die sinnliche Kraft von Bawas Architektur auf und verwandelt das Vitra Design Museum in einen immersiven Raum.
Bawa wurde 1919 in Sri Lanka (damals Ceylon) als Sohn einer Familie mit asiatischen und europäischen Wurzeln geboren. Zunächst arbeitete er als Anwalt, entschied sich dann jedoch für eine Laufbahn als Architekt und schloss 1957 sein Studium an der Architectural Association in London ab. Trotz seines späten Einstiegs avancierte er zu einer der prägenden Stimmen der Architektur in Sri Lanka nach der Unabhängigkeit. Während frühe Werke wie die St. Thomas’ Preparatory School (1957–63) noch deutlich den Einfluss der westlichen Moderne erkennen lassen, schuf er in der Folge eine ganz eigene architektonische Sprache, die lokale Materialien, traditionelle Handwerkskunst und industrielle Fertigungsmöglichkeiten verschmolz und die topographischen Gegebenheiten des Ortes als zentralen Faktor in den Entwurf mit einbezog. Zu Bawas Schlüsselwerken zählen sein eigenes Anwesen Lunuganga (1948–2003), das Bentota Beach Hotel (1966–69) und das Kandalama Hotel (1991–94). 2001 wurde er für sein Lebenswerk mit dem renommierten Aga Khan Chairman’s Award ausgezeichnet
Es war ein Credo Bawas, dass sich “Architektur nicht vollständig erklären lässt, sondern erlebt werden muss”. Entsprechend verstand er Gebäude nicht als statische Kulissen, sondern als räumliche Erzählungen, in denen die monumentale Natur Sri Lankas oft eine Hauptrolle spielt. Projekte wie der Polontalawa Estate Bungalow (1963–67) oder das Jayewardene House (1997–98) zeigen exemplarisch, wie seine Entwürfe unmittelbar auf das vorgefundene Terrain reagieren, indem sie Höhenunterschiede und Geländeverläufe aufgreifen und selbst Elemente wie Felsen und Bäume nahtlos einbeziehen.
Die Ausstellung vereint eine umfangreiche Auswahl an Objekten, Modellen und Dokumenten aus dem Bestand des Geoffrey Bawa Trust, der heute den Nachlass des Architekten bewahrt, ergänzt durch Archivfotografien von Sebastian Posingis und Dominic Sansoni. Neue Fotografien und Filme erweitern
diese Perspektive und machen seine Bauten und ihr heutiges Leben atmosphärisch erfahrbar.
»Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne« entstand als Koproduktion des Vitra Design Museums mit dem Museum M+ für zeitgenössische visuelle Kultur in Hong Kong, der deutschen Wüstenrot Stiftung und dem Geoffrey Bawa Trust. Sie wird zunächst im Vitra Design Museum (26.09.2026 – 28.02.2027) gezeigt und reist anschließend nach Hongkong, wo sie ab Juni 2027 zu sehen sein wird. Begleitend erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Essays, Projektbeschreibungen sowie Interviews mit den ArchitektInnen Kengo Kuma, Tatiana Bilbao, Marina Tabassum und Lina Ghotmeh.
Ausstellung «Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne»
26.09.2026–28.02.2027, Vitra Design Museum, Charles-Eames-Straße 2, DE-79576 Weil am Rhein