Pacific Sunset für Vintage Flitzer

Die Hügelflanken von Pacific Palisades (CA) sind durchsetzt mit grosszügigen Bungalowhäusern aus den 1960er-Jahren. An dieser heute sehr begehrten Wohnlage hat der in Los Angeles lebende Schweizer Architekt Roger Kurath für einen Bauherrn zwei solcher Häuser umgebaut; ganz im Stil der Mid-Century Moderne. Was man von der Strasse aus nicht sieht: Das untere Haus verbirgt hinter seinen unauffälligen Mauern ein privates Automuseum mit legendären Sportcoupés der 1950er- bis 1970er-Jahre in einem filmreifen Setting.

Pacific Palisades liegt zwischen Malibu, dem Wohnort der Filmstars, den Hügeln von Beverly Hills und Santa Monica direkt am Pazifik. Bekannt geworden ist der Ort an der «kalifornischen Riviera» in den 1940er-Jahren auch dank deutscher Emigranten wie Thomas Mann und Theodor W. Adorno, die sich hier auf der Flucht vor den Nazis niedergelassen haben. Und das Designerduo Ray und Charles Eames hat hier 1949 auf einem Grundstück ihr Wohnhaus realisiert, das heute die Eames Foundation beherbergt.

Bis in die 1960er-Jahre waren die Hügel im Norden von Pacific Palisades keine sehr begehrte Wohnlage. Zu weit weg waren sie von den eigentlichen Hot Spots am Sunset Boulevard. «Dies hat sich seit einigen Jahren radikal geändert», weiss Roger Kurath, Architekt M.Arch/Assoc.AIA/SIA, der seit 1997 in Los Angeles lebt und arbeitet. Seine Villen für eine anspruchsvolle Klientel sind geprägt von einem ultramodernen Baustil und einem zugleich hohen Schweizer Präzisions- und Qualitätsanspruch, die der Architekt mit der Grosszügigkeit des Lebensstils an der Westküste in Einklang bringt.

Design21

Mid-Century Moderne

Vor zwölf Jahren erhielt Roger Kurath mit seinem Architekturbüro Design21 (www.goDesign21.com) den Auftrag, in eben diesen Hügeln von Pacific Palisades ein Haus mit Baujahr 1962 zu einem modernen Wohnhaus umzubauen und dabei gleichzeitig auch den Mid-Century Stil der Bungalow-Villa zu erhalten. Denn der Bauherr ist ein passionierter und ambitionierter Sammler von Sportwagen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren: jenen goldenen Jahren des Wirtschaftsbooms und der grossen Verheissung des American Dream nach dem Zweiten Weltkrieg. Roger Kurath liess die Schönheit und Schlichtheit der traditionellen Bauweise spürbar und wertete das Interior Design mit neuen, wenigen und gezielt gesetzten Materialien auf.

Der Bauherr war mit dem Umbau, der auch in einer Dok-Sendung des Schweizer Fernsehens srf («Schweizer in Los Angeles») zu sehen ist, so zufrieden, dass er Roger Kurath mit einem weiteren aussergewöhnlichen Projekt beauftragte. Der Bauherr konnte auch das benachbarte Grundstück mit einem Haus in gleicher Bauweise erwerben. Kein modernes Wohnhaus allerdings sollte es diesmal werden, sondern vielmehr ein privates Automuseum für die exklusiven Oldtimer des Bauherrn; zusätzlich mit einem Media Room, einer angrenzenden autonomen Wohnung mit zwei Schlafzimmern und eigenen Badezimmern für Gäste sowie einer Küche mit Wohnraum.

Grandioser Wow-Effekt

Das Besondere und Verblüffende jedoch: Von der Strasse aus ist nicht erkennbar, dass sich hinter den Mauern dieser Villa in Hanglage eine grandiose, lichtdurchflutete Museumshalle befindet, die sich mit ihren verglasten Panoramafenstern zum Pazifik hin öffnet. Vielmehr ist die Einfahrt so gehalten, dass sie wie ein ganz gewöhnliches Garagentor erscheint. Auch der Hauseingang wirkt geradezu unauffällig. «Von aussen wirkt es so, als wären es nach wie vor zwei einzelne Wohnhäuser», erklärt Roger Kurath. «Sobald man aber das ‹Car House› betritt, dann gibt es diesen unglaublichen Wow-Effekt: Unvermittelt steht man in einer riesigen, lichtdurchfluteten Halle.» Die stützenlose Halle hat der Architekt so konzipiert, dass die Oldtimer immer wieder anders platziert werden können, damit sie der Bauherr – wortwörtlich – im besten Licht präsentieren kann. Die Halle kann so auch für Shows und Events genutzt werden, wie es sich für die PS-Leidenschaft der Sammlerinnen und Sammler gehört.

Design21

Ikonische Sammlerstücke

Zu den Vintage Cars des Bauherrn gehören denn auch so ikonische Oldtimer wie etwa ein blauer Alfa Romeo Montreal. Das legendäre Sportcoupé wurde anlässlich der Weltausstellung 1967 in Montreal präsentiert und war von 1970 bis 1977 in Produktion. Aber nur knapp 4’000 Exemplare wurden hergestellt. Eine weitere Ikone der Sammlung ist der Porsche 356. Hinter dieser Nummer verbirgt sich das erste Serienmodell des damals noch jungen Unternehmens. Gebaut wurde der 356er von Ende der 1940er-Jahre bis 1965. Bis 1952 besass der formschöne, aerodynamische Sportwagen noch eine geteilte Windschutzscheibe. Ab 1963 wurde er allmählich vom 911er abgelöst, dem wohl bekanntesten Modell des deutschen Autobauers. Davon finden sich im Car Museum des Bauherrn drei verschiedene Modell mit unterschiedlichen Baujahren. Ein spezielles Modell ist dabei der Porsche 914, der 1969 aus einer Kooperation mit Volkswagen hervorgegangen ist und der bis 1976 realisiert wurde.

Filmreife Bühne

Und es gibt noch ein weiteres Highlight in diesem Projekt, das sich ebenfalls auf den ersten Blick versteckt hält: Die beiden Häuser sind, obwohl von aussen als zwei eigenständige Wohnbauten deklariert, durch einen unterirdischen Zugang direkt miteinander verbunden. Um diese Passage als Erlebnis zu inszenieren, liess sich Roger Kurath von den Arbeiten des amerikanischen Lichtkünstlers James Turrell inspirieren, dessen Kunstprojekt im erloschenen Vulkan «Roden Crater» (1977) in der Wüste von Arizona zu den bekanntesten Land-Art-Projekten der Welt gehört.

Die von Turrell inspirierte «Hallway», wie Roger Kurath den Tunnel lieber nennt, ist mehrfach abgewinkelt und seine Wände sind schräg. Mit LED-Licht lässt sich dieser unterirdische Gang je nach Stimmung in beliebigen Farben ausleuchten. Die futuristische Anmutung dieser Passage dient als perfekter Auftakt für das folgende Wow-Erlebnis mit der lichthellen Halle des Automuseums. Zusammen mit den Vintage-Möbeln bildet die schlichte und zugleich grosszügige Architektur der Halle eine durchaus filmreife Kulisse für die PS-Raritäten. Möglich, dass hier «Q» in einem versteckten Nebenraum James Bond gerade die neuesten Features seines Sportautos erklärt … Schliesslich sind wir in Pacific Palisades nur gerade zehn Kilometer Luftlinie von Beverly Hills entfernt, wo sich der Sitz von Metro Goldwyn Mayer befindet; einer der Produktionsfirmen des letzten Bond-Films mit Daniel Craig.

Text: Christina Horisberger

Fotos: Design21 (www.goDesign21.com)/ Matthew Momberger