Vorzeigeprojekt für Büro-Wohn-Transformation

Ein Vorzeigeprojekt hinsichtlich Umnutzung von Büroflächen zu Wohnraum ist das Objekt Römerstrasse in Baden. Die vier Bürobauten von 1958 wurden nach einem umfassenden Um- und Ausbau zu Eigentumswohnungen transformiert.

An der Römerstrasse in Baden entstand mit der Umnutzung von vier Bürogebäuden ein richtungsweisendes Wohnprojekt. Die 1891 gegründete Brown, Boveri & Cie. (später ABB, heute Alstom) errichtete am Übergang vom traditionsreichen Bäderquartier ins Industrieareal 1958 vier Bürogebäude. Die fünfgeschossigen Bauten lagen lange brach, obwohl die Lage am bewaldeten Steilhang zur Limmat und die Nähe zum Zentrum erhebliches Potenzial boten.

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Substanz erhalten – Wert geschaffen

Nach Jahren ohne Eigennutzung oder Vermietungsinteresse wurde das Ensemble an die SGI veräussert. Ziel war eine nachhaltige Verdichtung bei gleichzeitiger architektonischer Aufwertung. Ein Architekturwettbewerb 2010 brachte Meier Hug Architekten aus Zürich als Sieger hervor. Die vier Bestandsbauten wurden in Folge bis auf den Rohbau zurückgebaut, bestehende Stirnseiten geöffnet. Das ursprüngliche Volumen von rund 34’400 m³ konnte durch gezielte Aufstockungen auf 62’872 m³ erweitert werden. Die neue Geschossfläche beträgt heute 16’541 m².

Die südseitigen, ehemaligen Treppenhäuser wichen einem neuen Kopfbau mit vorgelagerter Balkonebene. Entlang der Hangkante entstand je ein zusätzliches Attikageschoss. Neue Treppenkerne und ein tragendes System aus Stahlbeton verbinden sich mit dem Bestand, dessen Decken als verlorene Schalung erhalten blieben und heute als gestaltprägende Oberfläche wirken. Gestaltungselemente wie die markanten Rippendecken, Stützen und klar gegliederten Fassaden wurden bewusst erhalten und ins neue Nutzungskonzept integriert. Die Substanz erlaubt durchgängige lichte Raumhöhen von bis zu 2,90 m und schafft zusammen mit fortlaufenden Fensterbändern helle, offene Wohnräume.

Flexible Wohnformen – individuelle Gestaltung

Zentrales Element der Neuinterpretation ist eine durchgehende Erdgeschoss-Enfilade in Form öffentlicher Passagen, die als Rückgrat der vier Volumen fungiert. Auch im Innern spiegeln sich diese Raumfluchten in grosszügigen, durchlässigen Grundrissen wider. Die Treppenhäuser wurden neu zentral angeordnet und tragen zur strukturellen Stabilität bei und unterstützen die effiziente Erschliessung.

Insgesamt entstanden 78 Eigentumswohnungen mit 2½ bis 5½ Zimmern. Die grösste Einheit im Attikageschoss verfügt über 192,5 m² Wohnfläche sowie 205 m² private Aussenräume, die kleinste bietet 63 m² Wohnfläche. Die fünf Wohnungstypologien lassen sich flexibel an Nutzungsbedürfnisse anpassen. Offene Wohn- und Essbereiche mit direktem Zugang zu Balkon, Loggia oder Terrasse bilden das Zentrum jeder Einheit; das durchgehende Fensterband wird nur von zurückversetzten Loggien unterbrochen und sorgt trotz enger Gebäudeabstände für hohen Tageslichteinfall.

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Verlängerter Lebenszyklus

Mit dem Projekt Römerstrasse gelingt nicht nur die Reaktivierung ungenutzter Büroflächen, sondern auch eine Weiterentwicklung des städtebaulichen Kontexts. Mit der Umnutzung wurde der Lebenszyklus der vier Gebäude verlängert beziehungsweise neu gestartet. Die vorteilhafte Ökobilanz der Umnutzung, verglichen mit einem Neubau ist ein wichtiger Grund, weshalb die Umnutzung von Gebäuden in den letzten Jahrzehnten enorm an Popularität gewann. 

Die Transformation der Bauten an der Römerstrasse zeigt, dass durchdachte Umnutzungen bestehender Substanz nicht nur wirtschaftlich tragfähig, sondern auch architektonisch und ökologisch sinnvoll sind.

 

Bautafel

Bauherrschaft: SGI Schweizerische Gesellschaft für Immobilien AG, Zürich

Generalplaner: befair partners ag Baumanagement, Zürich

Design/Architektur: Michael Meier und Marius Hug Architekten AG, Zürich

Bauingenieure: Construktur AG, Baden

Visualisierungen: Nightnurse Images AG