Betonfassade mit Anziehungskraft

Die neue Raffeisenbank in Oberriet ist offen. Mit einem Drive-through-Bankomaten bietet sie rund um die Uhr Service. Das „offene“ Konzept spiegelt sich auch im Erscheinungsbild des Gebäudes: Die netzartige offene Fassade der GFT Fassaden AG besteht aus 59 individuell gegossenen Elementen aus Glasfaserbeton.

Der netzartige Mantel, der sich um das Obergeschoss der Bank legt, misst rund 300 m2. Die zusammengefügten Glasfaserbeton-Elemente haben eine starke dreidimensionale Wirkung und wurden mit Hilfe von Silikonformen gegossen. Form, Farbe und Struktur der Elemente sind bei diesem Verfahren variierbar. Damit ermöglichen sie eine spezifisch auf das Objekt abgestimmte Gesamtfassade, die komplett individualisiert ist. In Oberriet kamen zwei Grundschalungen, in denen vier verschiedene Element-Typen produziert wurden, zum Einsatz. Diese hatten jeweils eine Abmessung von 1145 x 5200 x 160 mm. Insgesamt wurden 59 Elemente (davon 47 gerade und 12 gerundete) mit einem Gewicht von rund 1000 kg verbaut. Wie die Fassade aus Glasfaserbeton-Elementen ist auch die Unterkonstruktion eine objektspezifische Speziallösung der GFT Fassaden AG.

 

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Luftrei­ni­genden Schlei­er­fas­sade

Die Architekten um Carlos Martinez platzierten die neue Bank auf zwei Sockeln – dem Drive-Through-Automaten und dem Erschliessungskern des Hauptgeschosses. Der Drive-through-Schalter zum Geldabheben war schon bestehend, die neu geplante Geschäftsstelle wurde direkt über dem Automaten platziert. Das neue Gebäude erinnert denn auch deutlich an seine amerikanischen Gegenstücke. Der komplette untere Bereich ist als repräsen­ta­tive Einfahrt gestaltet, im Weiteren dient er als Vor- und Parkplatz. Durch die Verspie­ge­lung des Erschliessungskerns, beginnen sich die massiven Elemente zu entmate­ria­li­sieren, was den Eindruck der Schwere­lo­sig­keit erzeugt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die extreme Auskra­gung der oberen Etage durch die vorgespannte Decke. Ein roter „Teppich“ – in der Logofarbe der Bank – leitet ins Innere des Gebäudes; etwas US-Lifestyle und gleichzeitig eine Reminiszenz an die ebenfalls von Carlos Martinez mit der Künstlerin Pipilotti Rist gestalteten Stadtlounge in St. Gallen.

Über den roten Teppich gelangt man per Erschlies­sungs­kern in die Filiale im ersten Stock. Hier oben präsentiert sich die Berater­bank als offener, komplett verglaster Kubus. Lediglich durch Glasele­mente wird dieser in einzelne Bereiche zoniert. Ein begrünter Lichthof definiert die Lobby sowie die privateren Bereiche für Beratungen.

Mit der luftrei­ni­genden Schlei­er­fas­sade, die das Gebäude ummantelt, werden die Abgase, die durch die Zufahrt zum Drive-Through-Bankomaten entstehen kompen­siert und somit die Umgebungs­luft von Schadstoffen befreit. Die Fertigteile enthalten Titandioxid das bewirkt, dass die Elemente in Form von Photonen Solarenergie aufnehmen und freie Elektronen und sogenannte Elektronenlöcher abgeben. Diese neutralisieren die Schadstoffe in der Luft. Die Technologie ist bereits bekannt: Es bedarf lediglich einer geringen Menge UV-Licht und Feuchtigkeit, um Luftschadstoffe in harmlose Mengen Kohlendioxid und Wasser umzuwandeln.

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Wirtschaftliche Lösung dank Silikonformen

Fassaden aus Glasfaserbeton-Elementen haben mehrere Vorteile. Einerseits kann dank der modularen Schalungskonstruktion aus Silikonformen das Design individuell gestaltet werden. So können unterschiedlichste Masse und komplexe Formen projektbezogen gegossen werden. Anker für verdeckte Befestigungssysteme können bereits während der Produktion integriert oder nachträglich mithilfe von Schrauben angebracht werden.

Andererseits erlaubt eine hohe Wiederholbarkeit der produzierten Elemente eine wirtschaftliche Lösung für die gesamte Gebäudehülle. Glasfaserbeton ist ein natürliches, mineralisches Material. Der Werkstoff garantiert absolute Sicherheit und Brandbeständigkeit durch seine hervorragenden thermischen Werte (Brandschutzklasse A1 “nicht brennbar” nach DIN 4102).

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Fassade als Anziehungspunkt

Mit dem ikonischen Entwurf entsprachen Architekten und Planer dem Leitbild der Raiffeisen. Die Genossenschaftsbank versteht Innen- und Aussenraumgestaltung ihrer Banken als wichtiges Mittel, um ihre Wertvorstellungen nach Aussen zu kommunizieren. Auf bauliche Standardisierungen wird daher weitestgehend verzichtet und dafür die individuelle Lösung angestrebt. Jede Bankstelle erhält so ihre eigene Identität und Ausstrahlung, die genau auf den Ort zugeschnitten ist.

Mit der attraktiven Fassade aus zusammengefügten Glasfaserbeton-Elementen zeigt die GFT Fassaden AG ihre Kompetenzen für objektspezifische Speziallösungen. Mit nur vier unterschiedlichen Elementformen konnte bei der Raffeisenbank in Oberriet mit einer unorthodoxen Fassade ein starker städtebaulicher Akzent gesetzt werden. Eine  üblicherweise unscheinbare Bankfiliale wurde so zu einem attraktiven architektonischen Anziehungspunkt.

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Text: Nicola Schröder

Fotos: Emil Fotografie

 

BAUTAFEL

Bauherr: Raiffeisenbank Oberes Rheintal

Architekt: Carlos Martinez Architekten AG, Berneck

Gebäudevolumen (SIA 416): ca. 2100 m3

Geschossfläche (SIA 416): ca. 500 m2

 Systementwickler und -lieferant: GFT Fassaden AG, St. Gallen
(Fassaden-Bekleidung und -Unterkonstruktion)

Fassaden-Unterkonstruktion: GFT Speziallösung

 Fassaden-Bekleidung: CRE Panel „Beton trifft Design“, Architekturbeton / Betonformteile

Fassaden-Montage: Dörig Bedachungen und Fassadenbau AG, Berg TG (Glasfaserbeton-Elemente); Wüst Metallbau AG, Altstätten SG (Unterkonstruktion)

 Fläche: 300 m2